Wappentier mit Retrogenen?
Von Prof. Reinhard Renneberg, Hongkong
»Krummbeinig, aber hochintelligent – wie unsere Renneberg-Sippe«, so
präsentierte uns mein Vater selbstironisch-stolz unseren Familienhund, einen
Dackel. Soweit ich mich erinnere, war ich in der Kindheit stets von Dackeln
umgeben. Noch heute liebe ich ihre verschmitzte Art und bewundere ihren Mut,
in aktive Fuchsbaue reinzukriechen – ihre Kurzbein-Anatomie und der
gedrungene Körper machen es möglich. Doch wie hat man aus einem
aufrechten Wolf nun Dackel oder andere Kurzbeiner gezüchtet?
Dackel, Bassets und andere Hunderassen sind durch die Veränderung ihres
Erbguts zu den markanten Stummelbeinen gekommen. Im Fachjournal »
Science« (DOI: 10.1126/science. 1173275) berichten darüber Heidi Parker,
Elaine Ostrander und ihre Kollegen vom amerikanischen National Institute of
Health in Bethesda. Sie haben die Gene von 835 Hunden aus 76
verschiedenen Rassen untersucht, darunter von 19 (inklusive dem Dackel), die
sich durch kurze Beine auszeichnen. Letztere zeigten in einem bestimmten
Genbereich auffallende Ähnlichkeiten. Sie betreffen ein Gen für den
Wachstumsfaktor FGF4, das auch beim Menschen mit Kleinwüchsigkeit
verbunden ist. Eine einzige Veränderung in diesem Gen führte zur
Kurzbeinigkeit, erst danach teilten sich die Züchtungen z. B. in Dackel, Corgi
oder Bassets auf. Besonders interessant ist, dass es sich beim FGF4-Gen um
ein sogenanntes Retrogen handelt. Wie alle anderen Gene werden auch die
Retrogene zunächst kopiert - das Verrückte aber ist, dass diese Kopien an
ganz anderer Stelle im Erbmaterial eingefügt werden.